Brandkatastrophe Kaprun: Neue Strafanzeigen !

Von David Saizew | 20 November 2009

Brandkatastrophe Kaprun Neue Strafanzeigen !Vor neun Jahren ereignete sich eine der schlimmsten Brandkatastrohen des Ski-Tourismus im Tunnel der Standseilbahn zum Kitzsteinhorn. Insgesamt fanden damals 155 Wintersportler den Tod, darunter 37 Deutsche.

Jetzt geht die Suche nach den Schuldigen in die nächste Runde, denn zwei deutsche Gutachter haben gegen die österreichische Justiz mehrfach Strafanzeige gestellt.
Mit dem neuen Verfahren wollen die Stuttgarter Sachverständigen Hans-Joachim Keim und Bernhard Schrettenbrunner nun unter anderem einen Linzer Staatsanwalt, Angehörige der Oberstaatsanwaltschaft und Ex-Justizministerin Maria Berger verklagen. Dies teilten sie am Montag mit. Die Kläger werfen den Angezeigten Vergehen wie Amtsmissbrauch, die Bildung einer kriminellen Vereinigung, vorsätzliche Strafvereitelung und schweren Betrug vor.
Allerdings  waren sie mit einer Anzeige gegen vier österreichische Gutachter bereits gescheitert. Das Verfahren wurde Ende Oktober von der Oberstaatsanwaltschaft Linz eingestellt.
Keim sagte dazu, „Es geht uns nicht ums Geld, sondern um menschliche Verantwortung und Sühne“. Er war von 2004 bis 2006 als Gutachter für einen deutschen Heizlüfterhersteller tätig, dessen Gerät diese  Brandkatastrophe verursacht haben soll und dessen Versicherung mit dem Fall Kaprun beauftragt wurde. Im Zuge dieser Tätgigkeit  habe er Fehler und Versäumnisse der österreichischen Justiz entdeckt und verfolge deshalb den Fall mit seinem Kollegen auf eigene Initiative weiter.
Es war der 11. November 2000, als  bei einem Feuer im Tunnel der Kitzsteinhorn- Bahn im Bundesland Salzburg 155 Wintersportler, darunter 37 Deutsche den Tod fanden. Ein Verantwortlicher für die Katastrophe wurde nie gefunden, denn ein österreichisches Gericht sprach alle 16 österreichischen Angeklagten von jeglicher Schuld frei. Dazu führten Gutachten österreichischer Experten, die einen defekten Heizstrahler der deutschen Firma für das Feuer verantwortlich machten. Die Ermittlungen gegen das Unternehmen in Deutschland wurden ebenfalls eingestellt.
Keim dazu, „Es war eine vorhersehbare Katastrophe“ und weiter, er und sein Partner werfen den Konstrukteuren der Seilbahn unter anderem vor, falsches Hydrauliköl das extrem leicht entflammbar war  verwendet zu haben. Auch hätte der verwendete Heizlüfter nie in eine Seilbahn eingebaut werden dürfen. Die Beweise dafür hätte Österreich unterschlagen.
In der neuen Anzeige heißt es nun: Die Oberstaatsanwaltschaft Linz habe das Ermittlungsverfahren gegen die vier von den beiden Deutschen angezeigten Gutachter eingestellt und die Wiederaufnahme trotz einer erdrückenden Beweislast blockiert.
Das Justizministerium reagierte am Montag mit der Aussage: Die österreichische Justiz habe zur Aufklärung der Brandkatastrophe intensiv und umfangreich ermittelt.

Allerdings ist damit das Verfahren nicht beendet, da erst Anfang November Hinterbliebene erklärt hatten, ein weiteres Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anstrengen zu wollen. Die Kläger wollen damit die Einstellung eines Strafverfahrens gegen die vier Gutachter in dem Prozess aufheben lassen. Im Juni 2008 hatte eine Schiedskommission mit 451 Überlebenden und Hinterbliebenen einen Vergleich abgeschlossen und begonnen, insgesamt 13,9 Millionen Euro an Entschädigungen auszuzahlen. Die bisherigen Prozesskosten belaufen sich aber schon auf rund 10 Millionen Euro.

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