Bei einem Amoklauf an einer Berufsschule in Ludwigshafen hat Amokläufer Florian K. (23) eine Lehrkraft ermordet, weitere Schüler und Lehrer mit einem Messer verletzt.
Wie jetzt aus Ermittler-Kreisen bekannt wurde, löste der Amokläufer offenbar zur Täuschung Feueralarm aus, wollte damit noch mehr Schüler und Lehrer auf die Gänge der Schule locken, um sie dort anzugreifen.
In ersten Vernehmungen gestand Florian K., er habe weitere Lehrer im Visier gehabt. Seinen ehemaligen Mathematik-Lehrer Rudolph B. erstach der Amokläufer.
Das mutmaßliche Motiv: Eine vermeintlich, ungerechte Noten-Vergabe !
Ein Augenzeuge berichtete laut Medienberichten vom Amoklauf und dem falschen Feueralarm:
„Plötzlich ging ein Alarm los. So ein Piepsen … Der Lehrer ist raus und hat dann aber den Klassenraum abgeschlossen.“
Amokläufer Florian K. war mit einem Messer und einer Schreckschusspistole in die Schule eingedrungen. Zunächst ging er in ein Nebengebäude, in dem er seinen Mathelehrer ermordete, dann zog er weiter ins Haupthaus.
Die Polizei wurde zunächst wegen eines vermeintlichen Brandes an die Schule gerufen. Erst vor Ort wurde den Beamten mitgeteilt, das sich ein Mann mit Schusswaffe im Gebäude befinde.






Sage und schreibe sieben mal taucht der Begriff AMOK in dem nur wenige Worte zählenden Artikel auf … erstaunlich.
Tatsächlich ist das was hier passierte doch etwas völlig anderes, etwas das mit „Amoklaufen“ rein gar nichts zu schaffen hat. Amok lieget eine dissotiative Störung zu grunde, ein aus der Situation, affektiv entstandener Kontrollverlust des „Täters“, der im dann folgenden keiner Planung und keinem Vorsatz mehr folgt. Der Amoklaufende kann sich oft gar nicht mehr erinnern an das was er tat …
Warum also der systematisch falsch gebrauchte Begriff an dieser Stelle und in dieser ausnehmend schlechten Form journalistischer Bearbeitung?
Es scheint tatsächlich so, dass es wegen der stereotypen Impakte im öffentlichen (wie etwa das was da an Schulen kein Einzelfall mehr ist) eine Bedeutungsveränderung im Sprachgebrauch gegeben hat was „Amok“ angeht. Es scheint also üblich und akzeptiert den Begriff heute auch anders besetzt zu verwenden. Fachlich gesehen ist dieser Gebrauch jedoch trotzdem falsch und es macht die Sache auch nicht besser, bringt einen nur von Erklärungen, Ursachen und Lösungen weiter weg.
Nach meinem Verstehen ist dieser Gebrauch ein begrifflicher “Entlastungsversuch”. Versehe ich etwas geplantes mit einem Label das spontanen Kontrollverlust und “krankhaftes” assoziiert entlastet sich der Betrachter von jeder denkbaren mit- Verantwortung im Vorlauf und damit davon, dass es soweit kommen konnte. Hier „entlastet“ sich also die fassungslose Gesellschaft der unfassbaren Tat gegenüber, die nicht vorhersehbar und nicht systematisch bedingt sein darf ( siehe Schuld und Verantwortung). Der im Grunde falsche Begriff also ein Instrument der Abwehr, nicht der Annäherung an mögliche Ursachen. Damit steht das auch tatsächlich im Zusammenhang mit der Frage nach „Ursache Killerspiele“? Hier wird auch versucht eine Entlastung zu fahren die in dem Falle sogar konkrete Handlungsoptionen suggeriert. Schaffe ich die „Killerspiele“ ab habe ich ja auch kein Problem mehr. Das Bedürfnis also eine singuläre Ursache zu fassen findet ein konkretes Ziel, ganz analog zum Amokverständnis. Bei letzterem wird der “außer Kontrolle geratene” Mensch von der kontrollierten Gemeinschaft isoliert, er wird vom Teil zum Außenstehenden für den Moment seiner unverständdlich bleibenden Handlung.
Betrachtet man es so darf einem getrost schlecht werden, nicht nur angesichts der jeweilig so aufgefassten Taten.
Bonnir