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Amoklauf von Winnenden: Opfer-Vater spricht über seinen Hass

Von Yale Gilbert | 28 Januar 2011

Amoklauf von Winnenden: Opfer Vater spricht über seinen HassAktuell läuft der Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden, Tim K.. Der Ex-Schüler brachte im März 2009 15 Menschen um, tötete sich anschließend selbst.

Der Vater des Amokschützen hatte eine Waffe und Munition unverschlossen aufbewahrt und damit das Blutbad erst möglich gemacht. Ein Urteil im Prozess wegen fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen das Waffengesetz wird in Kürze erwartet.

Nun meldet sich ein Opfer-Vater zu Wort, spricht offen über seinen Hass auf den Amokläufer und seine Forderung an die Justiz.

Im Prozess gegen den Vater des Amokläufers ist Dieter Kleisch Nebenkläger. Tim K. erschoss seine Tochter Stefanie im Klassenzimmer mit zahlreichen, gezielt abgefeuerten Kugeln.

Stefanies Vater Dieter Kleisch erinnert sich: „Damals, gleich nach der Tat, hatte ich einen absoluten Hass auf ihn“, erzählt er dem Magazin „Stern“.

„Wenn er überlebt hätte, hätte ich ihn umgebracht, das wäre mein erster Impuls gewesen.“

Fast zwei Jahre nach der Tat will der Vater nicht mehr an die Täter denken.

Dieter Kleisch: „Ich habe den Gerichtsmediziner gefragt, wie genau unsere Tochter gestorben ist, ob sie gelitten hat. Wir mussten das wissen … Sie wurde fünfzehn Mal getroffen, ein Leberdurchschuss war tödlich. Sie hat nur noch sehr kurz gelebt und war nicht mehr bei Bewusstsein. Wir erfuhren auch, dass sie die erste Attacke von Tim K. überlebte. Aber er kehrte noch einmal in das Klassenzimmer zurück und schoss auf Steffi.“

Ehefrau Doris Kleisch ergänzt: „Es sieht so aus, als ob er Steffi gezielt erschossen hätte. Das widerspricht den Aussagen der Polizei, wonach er seine Opfer nicht gezielt ausgewählt haben soll.“

Die Eltern von Stefanie wünschen sich, dass der Vater von Tim K. eine unabdingbare Freiheitsstrafe erhält. Eine Haftstrafe auf Bewährung ist für sie keine wirksame Strafe.

Das Ehepaar Kleisch ist außerdem davon überzeugt, dass die Familie von Tim K. sehr genau wusste, dass der Sohn psychisch krank war.

„Beispielsweise durch die Chat-Protokolle von Tims Schwester“, erklärt Doris Kleisch „daraus geht klar hervor, dass es der Familie bewusst war, dass Tim krank ist.“

Besonders schmerzlich für die Kleischs: Selbst vor Gericht zeigte der Vater von Tim K. keine Spur der Reue, kein Wort der Entschuldigung für die Verwandten der Opfer kam ihm über die Lippen.

Dieter Kleisch: „Er war ja nur an den ersten Verhandlungstagen dabei. Er hat keine Regung, kein Mitgefühl erkennen lassen. Würde ich auf der anderen Seite stehen, dann hätte ich ein aufrichtiges Wort an die Opfer gerichtet. Denn ohne seine Waffe wäre die Tat nicht geschehen. Doch da kam kein Zeichen von Reue, keine Aufrichtigkeit. Nix.“

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